Portraits

 

Bilder des Menschen sind die königliche Herausforderung photographischen Sehens. Wer sind wir hinter unseren Rollen-Identifikationen? Hinter den Fragmenten unserer Selbstbilder? Hinter den Masken, mit denen wir durch die Welt fließen? Die Photographie kann diese Frage nicht beantworten. Aber sie kann sie stellen. Sie kann sie formulieren. Sie kann das gewohnte Betrachten irritieren und nachhaltig verändern. Sie kann unserer Sicht auf einen Menschen und uns selbst neue Perspektiven eröffnen. Mehr kann sie nicht. Aber das ist schon sehr viel.

 

Vier Serien mit insgesamt 58 Bildern.



Aus der Serie: 

Zwischen den Gesichtern

Künstler: Filme-Macher, Schauspieler, Musiker, Maler, Fotografen, Artisten | 25 Bilder

 


Wolf Otto Pfeiffer | 2017 | aus der Serie "Zwischen den Gesichtern" | copyright: www.ingo-woesner.de

Kunst - in kaum einem menschlichen Wirkungsfeld ist die Erschütterung versteinerter Selbst-Welt-Bilder wahrscheinlicher. Wer sich eingehend künstlerischem Gestalten widmet, findet unweigerlich Abgründe - die eigentlichen Entdeckungsräume unseres Selbst. Suchen und Finden nach den Ausdrucksformen des Andrängenden trägt in die Tiefe, zu den Bewohnern der Schattenwelten. Es ist die göttliche Komödie, die Reise des Dante in die Unterwelt. Dort erwarten ihn wie uns die großen Abenteuer. Wer solche Wege wagt, wird (aus)gezeichnet, an ihm werden Spuren wahrnehmbar. Faszinierend.



Aus der Serie: 

Strickmuster aus Biografie

Welche wie wir | 14 Bilder

 


Madita Hampe | 2017 | aus der Serie "Strickmuster aus Biografie" | copyright: www.ingo-woesner.de

Menschen auf meinem Weg, Begegnungen, die Erkundung sind. Manchmal entstehen Gemeinsamkeiten von Dauer, manchmal bleibt Gemeinsames auf einen kurzen Zeitraum beschränkt. Immer aber gab es etwas, was mich berührt und bewegt hat und mich veranlasste zu photographieren.



Aus der Serie: 

Chiaroscuro

Das Licht der alten Meister | 6 Bilder

 


Anja Taschenberg | 2017 | aus der Serie "Chiaroscuro" | copyright: www.ingo-woesner.de

Caravaggio war der Maler, der wie ein Leuchtturm den Beginn der barocken Malkunst markiert. Schon zu Lebzeiten eine Legende, starb er, kaum 40jährig, plötzlich und überraschend auf bis heute ungeklärte Weise. Keiner der Großen im 17. Jahrhundert kam an ihm vorbei. Rubens, Rembrandt, Velasquez - alle haben sie ihn studiert. Ihn, der das Licht auf radikal neue Weise in die Malerei brachte, es mit überwältigender Kraft in bis dahin unbekannte Dunkelheit einbrechen ließ, um tief bewegende Gestalten aus ihr hervorzulocken. Für mich ist Caravaggio der erste Meister-Photograph der Weltgeschichte. Meine Bilder sind so gleichermaßen Charakter-Portraits als auch Studien über das Licht und seine Wirkungen für die menschliche Wahrnehmng.



Aus der Serie: 

Shakespeare Faces

Die Shakespeare Company Berlin (2016) im Portrait | 12 Bilder

 


Raimund Klaes und Elisabeth Milarch | 2016 | aus der Serie "Shakespeare Faces" | copyright: www.ingo-woesner.de

Im Frühjahr und Sommer 2016 habe ich die Shakespeare Company Berlin photographiert, ein Kreis von Menschen, die sich seit fast 20 Jahren ausschließlich der Inszenierung von Shakespeare Texten widmen, in eigenen Übersetzungen von Christian Leonard, eines der Gründer-Initiatoren der Company. Die Unterschiedlichkeit der versammelten Charaktere veranlaßte mich, sie als Close Ups zu photographieren - streng auf das Wesentliche konzentrierte Portraits, die zudem auf einen deutungsfähigen Umraum verzichten. Ein Prinzip, für dessen konsequente Umsetzung der deutsch-amerikanische Photograph Martin Schoeller weltbekannt geworden ist. Ihn wiederum haben haben die Portraits von August Sander inspiriert.