Fotograf | Theatergründer | Projektentwickler | Regisseur | Autor | Schauspieler | Mensch


Kurzform für Ungeduldige (die keine Zeit verlieren dürfen):

 

In der Wendezeit: Schauspielstudium an der Hochschule "Ernst Busch", in den Neunzigern: Schauspieler, Regisseur, Bühnenautor an Stadttheatern, Anfang des Jahrtausends: Caster für Fernsehproduktionen, Gründung einer freien Theaterproduktion zusammen mit meinem Bruder Ralph unter dem Namen "Woesner Brothers", vergangene fünfzehn Jahre: Mit meinen Bruder Stücke schreiben, produzieren, aufführen. Zwischen 2010 und 2015 Mitinitiator und schließlich leitender Projektentwickler und hauptverantwortlich für die Entwicklung, den Bau und den Betrieb des Pfefferberg Theaters in Berlin.


Langform für Geduldige (die mehr Zeit vor ihrem Rechner verbringen möchten):

 

Ein Gespräch über Fotografie und Gott und die Welt an und für sich

 

FRAGE:

Dein Hauptwirkungsfeld der letzten 25 Jahre war Theater bzw. Schauspiel in allen denkbaren Facetten. Du hast Schauspiel studiert, warst als Regisseur, Schauspieler und Bühnenautor an Stadttheatern engagiert. Du hast im Fernsehbereich gearbeitet, hast 2001 zusammen mit deinem Bruder unter dem Namen „Woesner Brothers“ eine eigene Theaterproduktionsfirma gegründet. Seitdem habt ihr zusammen mit einem mal größeren, mal kleineren Team fast dreißig Bühnenproduktionen und weit über eintausend Vorstellungen und Gastspiele auf zahlreichen Theaterbühnen realisiert. Und schließlich habt ihr in Berlin auf dem historischen Brauereigelände Pfefferberg erst ein kleines Theater hergerichtet und betrieben und dann ein größeres zusammen mit einem Investor entwickelt, gebaut und ebenfalls betrieben.
Was ich in deinem Lebenslauf und in all diesen Wirkungsfeldern nicht finden kann, ist: Fotografie. Wie hat das bei dir mit der Fotografie begonnen?

 

ANTWORT:

Kamera kaufen, auspacken, einschalten, knipsen.

 

FRAGE:

Das war alles?

 

ANTWORT:

Ja, so simpel fing es an. Und zwar Ende 2011/Anfang 2012. Alles, was größer geworden ist, hat irgendwann ganz klein begonnen. Der konkrete Anlaß war, daß wir mit dem Abriss der alten Schankhalle auf dem Pfefferberg begannen, um die Voraussetzungen für den Neubau des Pfefferberg Theaters, einschließlich einer Hausbrauerei und eines Restaurants zu schaffen. Ich kam auf die Idee, die Entwicklung dieses spannenden, ja magischen Projektes fotografisch zu dokumentieren. Das ausschließlich Dokumentarische war dann aber schnell Randsache, fotografisch interessierte mich mehr die Komplexität der Bildwelt, die sich während des Bauens auf der Baustelle vor meinen äußeren und inneren Augen entfaltete. Mir ging’s jedoch nicht in erster Linie um abstrakte Muster, des wachsenden Baukörpers etwa, sondern vor allem um die Menschen, die sich in diesem Universum bewegten. Menschen sind spannender, als jede Baustelle dieser Welt je sein kann.

 

Ich hab dann folgerichtig bald nicht mehr nur auf der Baustelle, sondern auch außerhalb des Pfefferberges fotografiert, wie man in den Bildserien, die auf dieser Website zu sehen sind, erkennen kann. Ich hätte in dieser Phase damals, also zwischen 2012 und 2014 gern schon mehr fotografiert, aber in der Bauphase und nach der Eröffnung des Theaters blieb nur wenig Zeit dafür. Denn meine Verantwortung für den Bau des Hauses und den anschließenden Betrieb war riesig und das ganze Vorhaben extrem herausfordernd. Ich hatte ja von der ersten Entwurfszeichnung bis zum Aufsetzen des letzten Dachziegels für alles bis ins letzte Detail den Hut auf. Dazu gehörte auch noch die Innenarchitektur und größtenteils auch die Innenausstattung einschließlich des Designs bis hin zu Stühlen, Tischen und Lampen zum Beispiel im Restaurant. Trotzdem ist meine Fotografie weitergewachsen. Und seit wir das Theater Ende April 2015 verlassen haben, habe ich mehr Luft für neue Entwicklungen.

Auf der Website hier ist eine kleine Auswahl von ca. 200 Bildern dessen zu sehen, was fotografisch insgesamt seit 2012 entstanden ist. Neben den Bildern der Bildserien, die hier auf der Website zu finden sind, gibt es aber eine Reihe weiterer Bildserien, für die ich bereits Bilder gemacht habe bzw. für die ich noch fotografiere und fotografieren werde. Bestimmte Serienformate werden in Zukunft konsequenter um ein Thema kreisen. Deshalb möchte ich hier aus diesen kommenden Serien keine Einzelbilder zeigen, bevor nicht die ganze Serie steht, die ja dann auch jeweils als Ausstellung geplant ist.
 

FRAGE:

Aber wo ist der Zusammenhang, also die Beziehung zwischen all dem Wirken in Theaterbereichen und der Fotografie? Für den Außenstehenden scheint das nicht zwangsläufig naheliegend. Wenn man in die Geschichte und Gegenwart der Fotografie schaut, entdeckt man nur sehr wenige Fotografen, die einen Theaterhintergrund haben, dafür aber viele, einige weltberühmte darunter, die aus der Malerei kamen oder kommen oder sogar noch parallel in der Malerei sind. Einige, teilweise ebenfalls sehr bekannte, waren oder sind Bildhauer. Aber Theaterleute?

 

ANTWORT:

Ja, diese Verbindung ist im Vergleich zur Malerei eher selten. Allerdings gibt's auch bei mir einen in die Richtung der Bildenden Kunst weisenden Hintergrund, wenn auch nur einen kleinen und zudem weit zurückliegenden. In meiner Jugend habe ich viel gezeichnet und gemalt. Der Zeichenlehrer unserer Schule wollte mich damals immer in den Malkurs holen, weil er meinte, ich hätte gute Voraussetzungen. Und nach der Schule habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, Malerei zu studieren. Ob ich da wirklich was zustande gebracht hätte, weiß ich nicht. Davon abgesehen hab ich als Teenager auch mal eine Zeitlang fotografiert und sogar eine kleine Dunkelkammer gehabt für die Entwicklung meiner Filme und Bilder.

 

Das ist dann später alles in der Welt des Theaters versickert. Nun lebt meine jugendliche Neigung zur Welt des Bildhaften auf andere Weise in der Fotografie wieder auf. In den vielen Jahren der Theaterarbeit waren es aber ebenfalls Bilder, die mich beschäftigten: Bilder der Sprache und Bilder der Bühnenräume zum Beispiel. Die Gestalt eines Bühnenraumes, der Ort, an dem Schauspieler auf der Bühne stehen oder sich durch das Bühnenbild bewegen – all das hat für mich viel mit den Gesetzmäßigkeiten und den Wirkstrukturen der Fotografie zu tun, die ja, ähnlich wie beim Zuschauer einer Theatervorstellung, beim Betrachter einer Fotografie nur dann Wirkung entfalten können, wenn sie überhaupt eine Wirkung erzeugen.

 

Im übrigen hat Fotografieren aus meiner Sicht generell viel mit Theater zu tun: Im ursprünglichen, griechischen Wortsinn bedeutet "Theatron" nämlich "Raum zum Schauen". Was ist Fotografie anderes? Daher ist das Fotografieren für mich kein Bruch in meiner Entwicklung, sondern nur eine weitere Ausdrucksform, sich dem zu widmen, was mich seit eh und je fasziniert: Entdeckungsreisender im Strom des Lebens zu sein. Davon abgesehen, bleibe ich dem Theater verbunden, wie man an meinen Theaterfotografien sieht.

 

FRAGE:

Bedeutet das, daß du nur noch als Fotograf unterwegs bist und das Theatermachen als Ganzes aufgibst? Und was ist eigentlich mit den Woesner Brothers? Arbeiten die Woesner Zwillinge noch an gemeinsamen Projekten?

 

ANTWORT:

Das sind mehrere Fragen auf einmal. Frage eins: Nein, Fotografie ist in Zukunft nicht mein einziges Feld. Wenn ich nur noch fotografieren wollte, müßte ich meine Fotografie vollständig kommerzialisieren, denn auch bei mir wächst das Geld nicht an Bäumen. Von den verschiedenen fotografischen Disziplinen wäre für mich die künstlerische Fotografie natürlich das reizvollste Gebiet. Wegen des Freiraums der Gestaltung, den man in der Auftragsfotografie nicht in dem gleichen Maße haben kann. Interessant wäre allerdings für mich eine Werbefotografie, die ihre Inhalte über szenische Bilder vermitteln möchte. Inszenierte Bilder sind nun mal mein Metier. Und nach dreißig Jahren Theater verfüge ich in dieser Hinsicht über Erfahrungshintergründe, die viele Fotografen möglicherweise nicht mitbringen. In einigen meiner kommenden Bildserien wird das deutlich werden, denn dann wird diese Art der szenisch strukturierten, inszenierten Fotografie eine weitaus größere Rolle spielen als in meinen bisherigen Bildern. Jedoch geht es dann auch in meiner inszenierten Fotografie zunächst um künstlerische Zusammenhänge und nicht vordergründig um Werbefotografie. Wie erkennbar wird, bin ich viel in meiner Werktstatt aktiv. Und wenn die Zeit reif ist, schiebe ich das, was entstanden ist, raus auf den Werkstatthof, zeige es einem größeren Kreis von Menschen und schaue dann, was passiert. Dieses Prinzip haben mein Bruder und ich in den letzten fünfzehn Jahren ständig praktiziert: Ideen entwickeln, in kleinem Maßstab umsetzen und testen und wenn sie gute Resonanzen bei andern haben, mehr investieren und die Ideen größer ausbauen. Auf diese Weise kommt man weniger schnell ums Leben. Ob eine Idee was taugt, kriegt man ohne großen Verlust in der Testphase raus.

Was meine gegenwärtige Fotografie betrifft: Meine Bilder finden durchaus Anklang, und es gibt auch hier und da Interessenten und Käufer meiner FineArtPrints. Aber um eventuelle Möglichkeiten zu eröffnen, diese Entwicklung schneller voranzubringen, müßte ich mich viel stärker in Kunstmarkt-Netzwerken und/oder in Kreisen potentieller Käufer bewegen. Aber wie gesagt, da ich gegenwärtig vor allem in der Werktstatt bin, paßt das (noch) nicht, denn ich gehe ungern mit Halbfertigem auf den Marktplatz. Wer kauft schon grüne Tomaten? Aber die Tomaten werden reifen, und wenn sie reif sind, werde ich sie auch anbieten. Und dann werde ich ja sehen, ob sie auch jemand kauft. Ich persönlich würde es ganz sicher tun ...;-) 

Zur zweiten Frage: Nein, ich gebe den Gedanken ans Theatermachen nicht vollständig auf, aber gegenwärtig ist er vollständig im Hintergrund. Wenn man seinen Lebensacker auf Dauer mit Freude bestellen will, sollte man gelegentlich das Saatgut wechseln, sonst entsteht eine Monokultur. Und Monokultur erzeugt auf Dauer toten Boden, auf dem gar nichts mehr wächst.

 

Zur dritten Frage: Die Woesner Brothers gibt's nach wie vor und sie verstehen sich nach wie vor prächtig. Sie werden auch wieder gemeinsam Projekte verwirklichen, aber jetzt gerade hat jeder sein eigenes Steckenpferd. Mein Bruder Ralph arbeitet an unserer Film-Komödie "Erichs Rückkehr", einem Streifen, der einen steinigen Weg hinter sich hat, mit enormen Hindernissen, die bei der Produktion des Film gemeistert werden mußten. Deshalb dauert das auch so lange mit der Fertigstellung. Und keiner glaubt mehr daran, daß das Ding fertig wird. Aber es wird fertig! Es ist ja kein Kurzfilm, sondern ein abendfüllender Kinofilm (wie bei uns - fast immer - üblich auch noch selbst finanziert)! Dreharbeiten und Schnitt sind durch, jetzt stehen die Postproduktion-Arbeiten kurz vor dem Abschluß. Soweit zum Film. Und neben den Arbeiten an diesem Film schreibt Ralph an einem Buch und an einem Seminarkonzept. Darüber möchte ich hier noch nichts sagen. Wenn das alles auf einer guten Bahn ist, wird die Zeit wieder reif sein für ein größeres gemeinsames Projekt der "Woesner Brothers". Die Idee dafür gibts natürlich schon, aber worum es da geht, bleibt auch noch geheim.

 

FRAGE: Gut, dann lassen wir das Geheimnis ruhen und kommen noch einmal zu deiner Fotografie zurück. Gibt es für dich Fotografinnen und/oder Fotografen mit Vorbildwirkung?

 

ANTWORT: Nicht direkt. "Vorbild" heißt ja immer ein bißchen, ich eifere jemandem nach, ich will so werden oder das so machen wie der oder die. Das war bei mir noch nie der Fall, ich hatte immer eigene Ideen. Es gibt aber – ich spreche jetzt von der Fotografie – eine Reihe von Leuten, deren Werke mich beeindrucken bzw. faszinieren, manchmal mehr, manchmal weniger. Das sind in erster Linie Fotografen, bei denen die Fotografie des Menschen eine zentrale Rolle spielt. Wen wunderts, bei mir ist das ja auch so.

 

Von den Gegenwartsfotografen möchte ich zum Beispiel Martin Schoeller nennen, ein Deutscher, der seit Jahren in Amerika lebt und dort sehr erfolgreich ist. Und  außerdem Erwin Olaf, ein niederländischer Fotograf, ebenfalls sehr erfolgreich mit seiner Fotografie. Beide mit völlig unterschiedlicher Handschrift, aber trotzdem sehr beeindruckenden Bildern. Bei Martin Schoeller sind für mich besonders seine "Close Ups" faszinierend. Er geht ganz nah ran an die Gesichter, sodaß gerade noch die Ohren zu sehen sind und ein bißchen Hals. Dann fotografiert er mit stets gleichem Licht, mit gleichem, zentimetergenauem Abstand, identischer Perspektive usw. die Leute: berühmte Stars wie George Clooney und Angelina Jolie, Politiker wie Merkel und Obama, Wirtschaftsbosse aller Couleur, aber auch Straßenpenner und Kleinbürger. Immer alles gleich, sozusagen totalitär demokratisch. Auf diese Weise fotografiert der die Gesichter, wie das Fotografen-Ehepaar Becher Fachwerkhäuser und Industriebauten fotografiert hat. Dahinter steckt ein System, das Gesichter bei aller Unterschiedlichkeit vergleichbar macht. Tja, und wenn der Fotograf dann auch noch im richtigen Moment den Auslöser drückt, werden Gesichter zu Landkarten des jeweiligen Schicksals. Die kann man lesen wie einen Roman. Und viele Gesichter ergeben in der Summe eine Weltkarte der Menschlichkeit.


Und dann wie gesagt Erwin Olaf. Seinen zahlreichen Bildern ist eine strenge Dramaturgie und Ästhetik eingraviert. Wenn man sich seine Bilder ansieht, kann man die studieren wie Bauzeichnungen gotischer Kathedralen, in denen zuweilen mehrere Geschossebenen in einer einzigen Zeichnung abgebildet wurden. Seine Bilder erinnern mich immer an Marmorreliefs, die aussehen, als wären sie aus chinesischem Porzellan gemacht. Darüber hinaus ist er ein Geometriker des Studio-Lichts. Die meisten seiner Bilder entstehen ja im Studio, in dem er dann oft auch eigens für eine Bildserie entwickelte "Bühnen"bilder aufbaut. Und in denen zirkelt er dann mit den Lichtstrahlen herum wie ein technischer Zeichner auf Millimeter-Papier.

Ich nenne noch einige andere Fotografen, die nicht mehr unter uns sind. Dazu gehören unter anderem Irving Penn (bei ihm besonders seine berühmten "Corner Pictures"), Yousuf Karsh (der mußte Anfang der dreißiger Jahre in Kanada einmal in einem Theater fotografieren und hat da eine Offenbarung erlebt, was man mit Licht alles anfangen kann. Und die Auswirkungen dieses wortwörtlichen Erleuchtungserlebnisses kann man dann in den Folgejahrzehnten in seinen Fotografien studieren, sehr spannend), weiter Richard Avendon (seine Serie "American West" und/oder viele Portraits von Künstlern und Politkern seiner Zeit). Sehr interessant finde ich Arnold Newman, der dafür berühmt ist, daß er seine Portraitierten in ihr Lebensuniversum eingebettet hat. Das nenn' ich, den Umraum des Portraitierten für das Portraitieren des Portraitierten zu nutzen. Machen nicht allzu viele, können vielleicht auch nicht allzu viele. Wer fällt mir noch ein? Ja, Diane Arbus. Die lebte in einem völlig aus der Zeit gefallenen Kosmos, auch fotografisch. Ihre Bilder von Behinderten, Außenseitern, Drogenabhängigen, Transvestiten, Nudisten usw. irritierten in den 60iger Jahren die Leute ihrer Zeit enorm. Und wenn sie Bürgerliche fotografierte, dann konnte man auf den Bildern die guten Bürger ohne Maske sehen. Sie fotografierte die Abgründe hinter der Fassade einer scheinheilen Welt. Das versuchen ja manche, also auf die artifizielle Weise, aber das gelingt halt nur, wenn man selbst in die eigenen Abgründe hinabsteigt und nicht nur eben mal kurz hinunter guckt. Diane Arbus hat's getan, das Hinabsteigen in die eigenen Untergeschosse, ist damit aber am Ende so wenig zurechtgekommen, daß sie sich Anfang der 70iger umgebracht hat. Traurig und schade gleichermaßen.

Ich könnte noch weitaus mehr Fotografen nennen, aber ich belasse es dabei. Davon abgesehen wechseln meine Favoriten gelegentlich. Vielleicht erwähne ich noch paar Maler, die für mich fotografisch bedeutsam sind.

In der Malerei finde ich Caravaggio, Velásquez und van Dyck inspirierend. Insbesondere aber Caravaggio mit seiner auf die Spitze getriebenen Hell-Dunkel-Malerei und anderen stilistischen Eigenheiten, wie zum Beispiel seinem krassen Realismus. Ich meine, wo gab es in der Malerei um 1600 Göttergestalten mit schmutzigen Fingernägeln? Bei Caravaggio. Im siebzehnten Jahrhundert hat seine radikale Kunst in der europäischen Malerszene ein geradezu flächendeckendes Buschfeuer entfacht, eine Art Bewegung, die sogar nach ihm benannt wurde. Diese Hell-Dunkel-Stilistik, Chiaroscuro genannt, war plötzlich Mode in den Maler-Ateliers Europas. Aber leider ist der Mann noch nicht einmal vierzig Jahre alt geworden und war schon bald nach seinem Tod im Prinzip vergessen. Und dann hat es über 400 Jahre gebraucht, ehe man ihn im 20. Jahrhundert wiederentdeckte.

Natürlich gibt's neben diesen dreien noch andere Maler, Vermeer zum Beispiel, und auch Maler in späterer Zeit wie Joaquín Sorolla, 1923 verstorben. In Spanien wird
Sorolla, der zu seinen Lebzeiten zu den bekanntesten und bestverdienenden Malern Europas gehörte, sozusagen verehrt wie ein (Maler)Gott, in Deutschland ist er faktisch unbekannt. Sein großes Vorbild war Velásquez und damit sind wir wieder im Barock, dessen Maler mich gegenwärtig am meisten interessieren, weil ich da zur Zeit am ehesten Anknüpfungspunkte für meine Fotografie finde.

 

So, jetzt haben wir eine Menge "geredet", es ist mittlerweile ein ganz schön langer Text. Vielleicht lassen wir es an dieser Stelle erstmal enden, sonst läuft am Ende noch das Internet über ...

 

FRAGE: Oh, das wollen wir natürlich nicht, ein überlaufendes Internet wäre womöglich zu gefährlich für den Fortbestand der Menschheit. Aber die Menschheit soll leben. In diesem Sinne danke ich dir, meinem zweiten Ich, für diesen inneren Dialog.


PS: Dieses Gespräch war kein wirkliches Gespräch zwischen zwei Menschen, sondern fiktiv. Ich beziehe mich auf Fragen, die mir gelegentlich in echten Gesprächen so oder ähnlich gestellt wurden oder werden, und schreibe auf, was ich unter Umständen darauf antworten würde bzw. in etwa geantwortet habe.