"Licht unter der Haut", Portugal, 2017 - Titelbild der Ausstellung
"Licht unter der Haut", Portugal, 2017

LICHT UNTER

DER HAUT

 

 

 

Landschaften, Stillleben, Portraits

Ingo Woesner | 100 Fotografien
Werkschau 2012 - 2017



Führungen durch die Ausstellung:

Sa, 18.11. - 15 Uhr

Di, 21.11. - 19 Uhr

Sa, 25.11. - 15 Uhr

Sa, 02.12. - 15 Uhr


WO:
In den Räumen der Kanzlei KV
LEGAL Klages Verweyen Rechtsanwälte
Oranienstraße 24 | Im Hof - Aufgang 3/4.Stock | 10999 Berlin-Kreuzberg
Anmeldung erbeten: schau-mal@ingo-woesner.de
Bitte pünktlich erscheinen, da die Ausstellung in den Räumen der Anwaltskanzlei KVLegal zu sehen ist, in der es keine regulären Öffnungszeiten gibt wie in einer klassischen Galerie.


Ungefähr 200 Gäste besuchten die Vernissage - Impressionen von der Ausstellungseröffnung am 7.11.2017, 
Fotografien von Martin Scharke


"Licht unter der Haut": 
Ein fiktives Gespräch über meine neue Ausstellung

 

FRAGE:
“Licht unter der Haut“ – was hat dich veranlaßt, für deine Ausstellung, die du als Werkschau der letzten fünf Jahre untertitelst, diese Überschrift zu wählen?

ANTWORT:
Meine Titel und Überschriften fallen mir ein. Fast alle meine Bilder haben Titel. Gerade habe ich ein Bild der Ausstellung "Die Berührung des Silbermonds" genannt. Ein anderes heißt "Einhorns Lager", ein weiteres "Wasser aus Quarz". Die Titel sind plötzlich da und bleiben hängen. Das war beim Titel für diese Ausstellung ebenso. Die Zeile ist aufgetaucht, und ich hab mich dann gefragt, ob das passen könnte. So wars. Das Wort „Fotografie“ wurzelt ja im Altgriechischen und ließe sich in etwa mit der Formulierung „mit Licht malen“ übersetzen. Wenn ich fotografiere, male ich also mit Licht. Wenn es sich fügt, gehen die Ergebnisse, also die entstehenden Bilder, die aus dem Licht gewachsen sind, mit dem "gemalt wurde", unter die Haut, erreichen und berühren den oder die Betrachter im Herzen. Aus meiner Sicht liegt dann so ein Titel nahe, auch weil er die Tür zu weitreichenden Assoziationen öffnet, denn "Licht" hat in allen Kulturen einen tiefen Bezug zur Spiritualität und Geistigkeit des menschlichen Seins.


FRAGE:
Fotografie als Einladung, sich ethischen, philosophischen und spirituellen Themen zu widmen?

 

ANTWORT:
Unbedingt. Das gilt aber auch für jede andere Kunst. Insbesondere, wie Brecht meinte, für die größte aller Künste, die Lebenskunst.

 

FRAGE:
Was also dürfen die Besucher bei der Ausstellungseröffnung inhaltlich erwarten?

ANTWORT:
Ich hoffe, sie kommen frei von Erwartungen und lassen sich überraschen.

FRAGE:
Gut, aber wie ist der Bezug zu ethischen, philosophischen und spirituellen Themen zu verstehen? Das sind ja oft sehr abstrakte Ebenen. Der Anblick einer Landschaft oder eines Portraits führt nicht unmittelbar zur elementaren Frage von Sein oder Nicht-Sein.

ANTWORT:
Unmittelbar nicht, aber mittelbar schon. Der Ausgangspunkt für abstrakte Fragestellungen ist ja immer das Konkrete. Ein Bleistift fällt vom Tisch. Und wenn wir dieses scheinbar banale Geschehen ganz naiv, ganz staunend betrachten, stellt sich die Frage: Warum fällt er auf den Fußboden? Warum fällt er nicht zur Decke? Und schon schwebt die Frage im Raum, was Gravitation ist. Vielleicht wurde Einstein durch einen fallenden Bleistift zur Entwicklung seiner Gravitationstheorie inspiriert, deren Richtigkeit erst vor kurzem auch in der Praxis nachgewiesen werden konnte.
Ein ganzes Jahrhundert, nachdem Einstein seine Theorie formuliert hat.
Die Bilder, die ich zeige, sind alle konkret: gut die Hälfte sind Landschaften und Stillleben, ein Drittel sind eher klassische Portraits, teils draußen bei Tageslicht, teils im Studio entstanden bzw. in Innenräumen. Und dann gibt es noch einige Bilder aus den Bereichen Theaterfotografie und schließlich Momentaufnahmen, die in Straßensituationen entstanden sind.

 

FRAGE:
Das ist für eine Ausstellung ein ziemlich breit gefächertes Spektrum. Auch die Anzahl von 100 Bildern ist recht umfangreich. Wo ist der rote Faden bei so unterschiedlichen Genres?

 

ANTWORT:

Im Grunde genommen sind alle meine Bilder Portraits, auch die Landschaften und die Stillleben. Portrait, aus dem Lateinischem kommend, bedeutet ja in etwa soviel wie "hervorziehen" oder "hervorholen". Es geht also um "etwas",

das irgendwo drin ist und das durch das Portraitieren offenbar oder vielleicht auch "nur" spür- und wahrnehmbar wird. Zumindest könnte es zu erahnen sein, daß da etwas hinter der Oberfläche ist, auch wenn es nicht benannt werden kann.

Der Schritt von der technisch vollkommenen Abbildung zur eigenständigen Bildgestalt ist dann sowieso nochmal ein Sprung in eine neue Dimension. Er reicht über das rein Handwerkliche weit hinaus. Ein Akt der Gnade, der sich nur entfaltet, wenn jegliche Absicht, ein gutes Bild machen zu wollen, aufhört. Die Beherrschung des Handwerks ebnet den Weg zu diesem ungreifbaren Raum der Namenlosigkeit. Ist er erreicht, wird Streben nach Perfektion zur Fessel, Kontrollsucht zum Gefängnis. Das ist der Punkt, an dem die Gefahr des Scheiterns am Größten ist. Aber erst ab dort beginnt - wie gesagt - die ureigenste Bedeutung des Wortes Fotografie, eben des Mit-Licht-Malens. Ich jedenfalls sehe das so.

Ich komm ja aus dem Theater, mich interessiert das Geschehen hinter den Kulissen stets mehr, als das, was sich vordergründig vollzieht. "Theater" kommt ebenfalls aus dem alten Griechischen und bedeutet wörtlich "Raum zum Schauen". Mit meinen Bildern eröffne ich "Räume zum Schauen". Das ist es. Und das, was in diesen "Räumen zum Schauen" dann Andeutung und Geheimnis bleibt, macht es spannend. Die Betrachter können selbst entscheiden, ob sie sich inspirieren lassen, in die Tiefe zu horchen, oder nicht. Dieses Neigung, hinter die Vordergründe zu forschen, bewegt mich bei allen meinen Aufnahmen, quer durch die Genres. Daher paßt das schon, daß ich meinen übergeordneten Wirkungsschwerpunkt im Portrait sehe.

Was nun diese Ausstellung betrifft, kommt dazu, daß es halt eine Werkschau ist, die die letzten fünf Jahre spiegelt.
Ich hab mich sozusagen dazu animiert gefühlt, weil die Kollegen von KVLEGAL, der Anwaltskanzlei, in der die Bilder dann ausgestellt sind, gesagt haben, sie hätten 400qm Fläche, also nicht ganz wenig, ob ich denn genügend Bilder hätte. Nun ja, ich hatte und habe. Und so hat sich das alles gut gefügt. Im Team der Kanzlei ist ein große Offenheit für das Projekt, und ich bin dankbar, daß sich mir diese Möglichkeit geboten hat. Insbesondere dankbar bin ich auch meinen Freund Michael Teich, der den Kontakt zur KVLEGAL überhaupt erst vermittelt hat. Ohne ihn wär das gar nicht entstanden. Und da möchte ich dann schon auch eine gute Ausstellung bieten. Ob das die Besucher dann auch so sehen, bleibt abzuwarten. Aber ich bin da zuversichtlich. In diesem Sinne wird die Vernissage sicher ein unterhaltsamer Abend. Ich freu mich drauf!

FRAGE:
Eine letzte Frage: Ist die Ausstellung denn auch nach der Vernissage öffentlich, können also Interessierte die Ausstellung später noch besuchen? 

ANTWORT:
Ja, das ist möglich, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung, da es sich nicht um eine klassische Galerie handelt. Ich werde aber Interessierten zu bestimmten Terminen auch Führungen anbieten und dann etwas zu den Bildern sagen können. Die Termine folgen noch. Wer Interesse hat, kann sich aber einfach schon bei mir melden per Mail:
schau-mal@ingo-woesner.de